Vast Land
Myanmar 2018/2019

Weite suggeriert Freiheit und damit die Abwesenheit von Begrenzungen. In N. aber endet die Freiheit immer wieder an genau diesen, und häufig auch schon weit davor. Meist sind es Zäune oder mobile Absperrungen, die am Weiterkommen hindern, manchmal dicht geflochtener Stacheldraht, der Gebäude wie ein Netz umgibt und den Einlass, oft auch die Einsicht verwehrt. Und dann gibt es noch die unsichtbaren Aufpasser, die unvermittelt, wie aus dem Nichts kommend, dem Neugierigen untersagen zu sehen und zu fotografieren, was nicht gesehen und schon gar nicht fotografiert werden soll.

Weite wird zur Leere, zum Nichts. Maßlos breite Strassen, häufig mit Blumen übersäten Mittelstreifen versehen, die vermeintlich nirgendwo hinführen, menschenleer, ohne Fahrzeuge, scheinbar sinn- und nutzlos in eine aufgerissene Landschaft hineingebaut. Aus dieser Landschaft, die weder ursprünglich noch gestaltet ist, ragen hier und da Bauskelette, roh und unverputzt, esgibt ein paar wenige Ansiedlungen mit gepflegten Villen, andere mit einfachen Wohnhäusern, denen der tropische Regen schon längst die Farbe abgewaschen hat und dann immer wieder eigenartig gestaltete Hotels, die wie abgestürzte Ufos sich unbelebt inmitten der Einöde auftürmen. Dazwischen Leere – kilometerweit –streng abgeschirmte Bereiche des Militärs, versteckt hinter blühenden Büschen, dann ein Shopping Center und tatsächlich einpaar Menschen, die einkaufen, oder einfach nur die gekühlte Luft des Gebäudes geniessen, um dann wieder durch die links und rechts begrünte Einöde zu fahren, ins Büro, ins Ministerium, oder zu dem was sie ihr Zuhause nennen.

Der Fotograf sucht irritiert das, was normalerweise Städte prägt, im Westen wie im Osten, sucht die Menschen, sucht Verdichtungen, Gebäude und Plätze, obwohl er weiss, dass es sie nicht gibt,und verliert sich dann im Spinnennetz der Strassen und dem Nichts, das es umschliesst und fotografiert die absurde Leere einer Stadt, die vielleicht gar keine sein will.

Weites Land ist der zweite Teil einer Trilogie, die sich mit den 3 wichtigsten Städten Myanmars auseinandersetzt.

Xaver Augustin, Direktor Goethe Institut / Yangon

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